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Die Philippinen: Korruption oder Bestechung und das Thema: "Red Tape"

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Ein Thema, selbsterlebt: Wie "dramatische" Verfehlungen/Vergehen innerhalb kurzer Zeit nichtig gemacht werden können. Es kommt lediglich auf die Höhe der Zahlung an.

Ein Tag mit einem L300 FB

Der Wagen: L300 FB
L300 FB Der Typ L300 ist in den Philippinen in verschiedenen Varianten sehr häufig im Straßenverkehr anzutreffen, da er relativ günstig zu bekommen ist und sehr universell eingesetzt werden kann. Bei der hier verwendeten Version einer Freundin handelt es sich um eine etwas ältere Version FB mit zwei Sitzbänken in Längsrichtung im hinteren Bereich sowie drei Sitzplätzen vorne. Die beiden Sitzbänke bieten Platz für jeweils 5 Asiaten und die Sitzfläche ist hochklappbar, so dass diese Variante FB (Family business) auch für kleinere Lastentransporte geeignet ist.

Das erste "Vergehen"
Es sollte ein entspannter Tag werden. Da ich einen internationalen Führerschein besitze, die Eigentümerin sowie Tess überhaupt keinen, durfte ich den Fahrersitz besteigen. Als erster Termin stand ein Kondolenzbesuch bei einer Freundin im Barrio Mabayo von Morong an. Um dorthin zu gelangen, muss man die Freeport Area von Subic City durchqueren. Grundsätzlich wohl eine ziemlich unkomplizierte Geschichte wenn... da nicht der fehlende Sicherheitsgurt für den Sitzplatz in der Mitte vorne gewesen wäre.

Niemand von uns hatte daran gedacht, dass die strengen Sicherheitsbestimmungen in dieser Area die Nutzung eines Sicherheitsgurtes auf jedem Platz in der Fahrerkabine verlangen oder... wenn, wie in unserem Fall, keiner dort verfügbar ist (warum auch immer), dann darf der Platz nicht genutzt werden und der Passagier hat stattdessen ungesichert in Fahrtrichtung auf einer der Sitzbänke hinten zu sitzen. Und so kamen wir dann an einem internen Kontrollpunkt hinter dem alten Internationalen Flughafen von Subic City in Schwierigkeiten: Es wurde ein Vergehen gegen die strengen Sicherheitsauflagen durch Tess festgestellt. Sie saß leider, nicht angeschnallt, auf dem mittleren Platz.

Nach Feststellung dieser "Violation" hieß es "rechts ran" und den Führerschein vorzeigen. Dann folgte eine Belehrung über die zu erwartende Strafe: Meldung des Vergehens unter Angabe des Kennzeichen an eine entfernte Dienststelle. Das würde erfordern, dort hinzufahren, um eine Strafe von 2.000,00 PHP zu bezahlen. - Marie (die Eigentümerin des Wagen) ist in solchen Sachen wohl sehr erfahren und übernahm die weiteren Verhandlungen außerhalb des Fahrzeuges.

Nach ca. 1 Minute stieg sie HINTEN in das Auto ein und gab das Zeichen zum Abfahren. Es war ihr gelungen, dieses zuvor 2.000 PHP teure Vergehen gegen Zahlung von nur 100 PHP in bar und ohne Quittung ungeschehen zu machen. - Hut ab!

Auf dem Rückweg wollten wir die Gelegenheit nutzen, um eventuell in Bataan einen gebrauchten 1.000 Liter Kunststofftank zu kaufen. Zur Verbesserung der Wasserversorgung am Haus.

das Vergehen Tatsächlich konnten wir einen für 4.800,00 PHP kaufen. Lediglich... die Türöffnung von knapp einem Meter ließ es nicht zu, den kompletten Tank mit dem Aluminiumkäfig hinten im Fahrzeug zu verstauen! Marie kam dann auf die tolle Idee, den leeren Käfig auf dem Dach zu transportieren. Einwände dagegen ließ sie nicht gelten. Schließlich handelt es sich um ein privat genutztes Auto. Und da gelten (nach ihrer Meinung) dann keine Sicherheitsbestimmungen.

Tja... das sahen die gefürchteten LTO's dann bei einer Kontrolle hinter Subic City aber ganz anders. Abweichend davon, dass wir zuvor 2 Polizeikontrollen problemlos passiert hatten. LTO ist die Abkürzung für "Land Transport Office(r)", was eventuell mit der deutschen Überwachung für den Güterfernverkehr (BfG) verglichen werden kann. Allerdings gelten diese in den Philippinen als Wegelagerer und haben es ausschließlich auf die häufig veralteten Transportfahrzeuge von Kleinstunternehmer abgesehen. Bei diesen beliebten "Opfern" ist IMMER irgendeine Verfehlung festzustellen ist. Schließlich gibt es keinen TÜV in den Philippinen.

Die Aushändigung meines internationalen Führerscheines erforderte automatisch die Hinzuziehung eines höhergestellten Officers. Dieser stellte dann innerhalb kürzester Zeit 6 Verfehlungen fest: Überlastung des Dach da kein Gepäckträger verwendet wurde, schlechte Ladungssicherung, fehlender Hinweis an der Fahrzeugseite auf die rein private Nutzung: "Nicht zu mieten" (Not for hire), fehlende Angabe des zulässigen Gesamtgewicht am Fahrzeug, an mich als Fahrer der Vorwurf der Unterstützung sowie eine weitere Verfehlung, die nicht näher benannt wurde. Was reine Verhandlungstaktik ist.

Im Laufe des nun folgenden Gespräches, dass wiederum von Marie auf der Straßenabgewandten Seite des Fahrzeugs stattfand, wurden zunächst wieder die Folgen aufgeführt: Einziehung meines Führerscheines und Verpflichtung zur Teilnahme an einem Seminar über Pflichten des Fahrzeugführers, entfernen des Kennzeichens, welches erst nach Zahlung einer Strafe EVENTUELL wieder ausgehändigt werden würde sowie Aufzählung weiterer Kosten für die anderen Vergehen. Wie Tess feststellen konnte, waren die von Marie angebotenen 500 PHP leider nicht genug, so dass sie mit weiteren 500 PHP in das Gespräch eingriff. Mit Erfolg!

Nach ca. 3 Minuten waren wir bereits wieder auf dem Weg nach Hause... ohne eine einzige Veränderung am Fahrzeug vorgenommen zu haben! Lediglich... die Geldbörse war um 1.000 PHP, natürlich ohne Quittung, erleichtert worden.

Und nun kann jeder Mensch mit Humor verstehen, warum das Department of Tourism (DOT) als neuen Werbeslogan folgendes publiziert: "It's more fun in the Philippines"

Nachtrag zum Fahrzeugkennzeichen: Es wird jeweils für das Fahrzeug ausgegeben und bleibt auch im Falle eines Verkauf erhalten. Die endgültige Entziehung eines Kennzeichens macht das Fahrzeug praktisch wertlos.

Nachtrag zum Begriff "Red Tape": Jeder der obigen amtlich notwendigen Wege würde Behördenaktivitäten veranlassen und deren Erledigung erfordern, bevor eine positive Entscheidung gefällt werden könnte. Somit wären für längere Zeit schnelle Regelungen unmöglich gemacht. Behörden mahlen in den Philippinen erheblich langsamer als in Deutschland. Aus diesem Grund ist Korruption praktisch unerlässlich.

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